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Dieses außergewöhnliche  Wochenende zu Offenen Denkmälern ist leider vorbei:
Hinter den Kulissen von Paris


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Ausnahmsweise öffnet die Hauptstadt
einige ihrer exklusivsten Orte für jeden,
aber nur am 16./17. September 2006

Hereinspaziert! „Entrez, entrez, mesdames, messieurs!“
Keine trällerte das je besser als Mireille Mathieu:
„Hinter den Kulissen von Paris, ist das Leben noch einmal so süß. Kein Fremder kann es sehn.“ 

Genau Letzteres wird sich nun ändern. Fremde und Pariser dürfen am übernächsten Wochenende an verbotene Orte, wo sonst höchstens mal Prominente wie „la Merkel“ empfangen werden, ansonsten aber Unbefugte absolut unerwünscht sind. Die Tage des Offenen Denkmals machen’s möglich.

Nur wenige Schritte trennen die Mona Lisa im Louvre von der Nationalbank. Welche der beiden perfekter abgesichert wird, ist wirklich schwer zu entscheiden, vermutlich aber die „Banque de France“. Als uneinnehmbare Trutzburg liegt sie im Stadtzentrum. Dabei waren ihre Gebäude im 17. Jahrhundert eigentlich als hoch herrschaftlicher veritabler Vorzeigepalast entstanden. Dessen Kostbarkeiten sind, seit die Staatsbanker hier vor 198 Jahren einzogen, hinter gefängnisähnlichen Mauern hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen. 

Das vermutlich schönste Bankgeheimnis der Welt ist der vergoldete Salon „Galerie Dorée“

Das vermutlich schönste Bankgeheimnis der Welt ist der vergoldete Salon „Galerie Dorée“. Wie kaum ein anderer Raum macht er die Übergangszeit vom Barock zum Rokoko wieder lebendig. Fresken, Stuck, Skulpturen, Gemälde, Jagd- und Marineszenen: Verspielte Eleganz löste damals den strengen höfischen Prunk ab. Selten nutzt die Bank den Saal für eigene Empfänge und kleine ausgewählte Konzerte, er war auch schon vereinzelt in Spielfilmszenen zu sehen. Was für eine Location zum standesgemäßen Heiraten! Doch Interessenten für private Events kassieren nur charmant bedauerndes Kopfschütteln. Nichts zu machen, der Saal ist tabu für die Öffentlichkeit. Bis in zehn Tagen, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Eine halbe Stunde eher öffnet und schließt der Senat, die zweite Kammer des französischen Parlaments: Dass sogar der beliebte Treffpunkt „Jardin du Luxembourg“ im Studentenviertel seine Geheimnisse hat, daran lässt das penibel bewachte Palais keinen Zweifel. Ursprünglich erbaut für Maria von Medici. Sie starb in Köln, vom eigenen Sohn verjagt, ohne die Vollendung ihres faszinierenden Schlosses selbst erlebt zu haben. Hier residiert der Senat, hier schlummern aber auch hochkarätige kunsthistorische Schätze wie der detailreich verschnörkelt verspielte Spiegelsaal des Goldenen Buchs. Wie durch ein Wunder hat seine atemberaubendes Interieur mehr als 380 Jahre fast unverändert überstanden, während das umliegende Schloss mehrfach umgebaut und erweitert wurde. Der gewaltige Thronsaal zum Beispiel, 57 Meter lang. Absolut standesgemäß tafelte hier die britische Queen als Gast der französischen Republik, normalerweise konferieren hier die Senatoren. Nebenan tagen sie im holzgetäfelten Plenarsaal, dessen Architektur eine ganz andere Ehrfurcht vor der Demokratie ausstrahlt als funktionale deutsche Parlamentsbauten. Wer als Besucher im Halbkreis Platz nimmt auf einem der Senatorensessel, spürt sogleich den Atem einer langen Geschichte. Aus dem Besichtigen wird ein Eintauchen. Sowas schafft kein Museum. Selbst Mireille Mathieu müsste hier flüstern.

Gültige Personalausweise waren Voraussetzung für den ansonsten freien Eintritt.

Europäische Website   www.ehd.coe.int
Deutsche Website   www.tag-des-offenen-denkmals.de
   

6.9./18.9.2006 | Inhalt · Übersicht | < Home < | > Nächste Meldung > | Impressum