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BESSERE AUSSICHTEN BEIM TELEFONIEREN

»Hallo Schatz! Wem gehört eigentlich
das grüne Cabrio bei uns im Vorgarten?«

 

An Bord von Flugzeugen wird es bald lauter und geschwätziger. Nie mehr rätseln, wie weit es der Sitznachbar noch zu Schatz hat oder wie sein Meeting so war oder ob sein Ältester auch brav die Hausaufgaben erledigt. Schon für das nächste Jahr erwarten Airlines das Ende des allgemeinen Handyverbots.

Mit dieser Ankündigung überraschte Lufthansa-Cheftechniker Ulf Hallmann den fvw Kongress Zukunft, zu dem sich führende Köpfe der Reisebranche in Köln trafen. Weder aus Sicherheits- noch aus Marketinggründen sei die allzeit ununterbrochene Erreichbarkeit zu verhindern, sagte er. Denn Passagiere wollten ihre Reisezeit produktiver und effektiver nutzen. Immerhin denkt man bei der Lufthansa darüber nach, in den Kabinen künftig Ruhezonen zu schaffen. Dafür will sich Hanseat Hallmann persönlich stark machen: "Es wäre mir ein Greuel, wenn in den Reihen um mich herum alle telefonieren und ich die Kakophonie von Klingeltönen ertragen müsste."

Satellitentelefone gibt es zwar schon seit Jahren auf Langstrecken verschiedener Airlines. Doch die klingeln ja nie, weil Anrufe nur in einer Richtung möglich sind, von oben nach unten. Außerdem rutscht nur selten eine Kreditkarte durch den Bezahlschlitz, horrende Verbindungspreise haben die Sprechlust erfolgreich gedämpft. Die schrittweise Einführung von fliegendem Breitband-Internet ("FlyNet") hat die Situation inzwischen zumindest theoretisch geändert: So sind schon jetzt auf einzelnen Interkontinentalrouten ohne Aufpreis Dauertelefonate möglich – per Internet-Flatrate mit "Voice over IP", Kopfhörer und Sprecheinrichtung am Notebook.

Feine Sache, aber Hand aufs Handy: Wer hat das alles schon immer griffbereit im Handgepäck?
Sowieso rechnet sich's nur bei vielstündigen Flügen.

Viel mehr Schranken werden zwangsläufig fallen, wenn Kurzstreckenjets und normale Ferienflieger umsteigen auf handheld IFE. Das ist das neue Zauberwort für Fachchinesen: In-Flight Entertainment für auf die Hand. Mit kleinem persönlichem Bildschirm, Pausetaste also jederzeit verfügbar, mit eigenem Film-, Hörbuch- und Musikprogramm, mit Computerspielen, mit SMS, bis hin zum eigenen Handy.

Selbst weltweiter Live-Fernsehempfang über Satellit wird bald kein Problem mehr sein. Was aber das Tollste ist: Flugtickets müssten dadurch billiger werden. Eigentlich. Denn händchenhaltende Bordunterhaltung wiegt nur ein paar Gramm, während die Lufttansportunternehmen gegenwärtig allein fürs Mitfliegen der schweren alten Elektronik im Schnitt rund 84 000 US-Dollar Treibstoff pro Jahr und Flugzeug verpulvern.

Eine von vielen Planungsherausforderungen für Ulf Hallmann, den Director Engineering Services, VIP & Government Jet Maintenance (Ingenieurkunst im Düsenflugdienst besonders wichtiger Personen und Regierungen). Er rauft sich jedes Mal die Haare, wenn er in seiner Werft die ungenutzten Hohlräume eines Jumbos sieht: "Da hätte noch eine ganze Jugendherberge Platz." Aber was für eine! Von seinen exklusive Individualität bevorzugenden Kunden erwartet Hallmann nicht nur durch den großen neuen Airbus für die nächsten Jahre eine große Innovationswelle mit Lifestyle und Markenbewusstsein, top-designed im Top-Ambiente – vor allem bei gehobenen Business- und Erstklässlern. Dazu passt Reiseservice von Tür zu Tür, von Office zu Office ohne lästiges Einchecken.

Immerhin fällt gelegentlich was ab für die Koffer schleppende, Schlange stehende "ecoclass".

Freies Klingeln für freie Handys zum Beispiel.

Und vielleicht ja auch mal ein Tick mehr Beinfreiheit durch geschicktes Ausnutzen hohler Rumpfteile?

 


31.08.2005 | Inhalt · Übersicht | < Home < | > Nächste Meldung > | Impressum | E-Mail