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unterwwwegs DB und Deutsche Telekom eröffnen
WLAN-Pilotbetrieb auf der Schiene

KÖLNER STADT-ANZEIGER · WIRTSCHAFT (statt im Reiseteil)

 

ICE-Reisende können ab sofort drahtlos surfen. Deutsche Bahn und Deutsche Telekom bieten seit dem 20.12.2005 gemeinsam drahtlose schnelle Internetverbindungen an. Insgesamt sieben Züge vom Typ ICE 3 ermöglichen Onlinezugang im kabelfreien Standard WLAN ("wireless local area network"). Die beiden Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn und Kai-Uwe Ricke gaben im Alten Wartesaal des Kölner Hauptbahnhofs den Startschuss für den "Railnet"-Pilotbetrieb auf der 117 Kilometer langen Strecke von Köln über Düsseldorf nach Dortmund.

Auch die 90 größten Bahnhöfe sollen laut Mehdorn mit schnellen Internetanschlüssen der Telekom ausgerüstet werden. 20 dieser Hotspots – unter ihnen Köln HBf und Köln-Deutz/Messe – sind bereits in Betrieb. T-Mobile ist inzwischen, so Vorstandsvorsitzender René Obermann, zum weltweiten Marktführer mit 20.000 Hotspots, darunter allein 6.000 in Deutschland. Während man 2004 bereits 43,5 Millionen drahtlose Onlineminuten verkauft habe, erwartet die T-Tochter für das laufende Jahr eine Verdreifachung auf 160 Millionen Minuten: ein boomender Markt, der mit der Bahn eine neue Lokomotive findet.

Bahnchef Mehdorn erwartet dadurch wiederum steigende Fahrgastzahlen, denn: "Reisezeit ist Nutzzeit, im Zug deutlich mehr als im Auto oder Flugzeug." Bei einer Befragung habe rund ein Viertel der Kunden angegeben, sie wollten häufiger Bahn fahren, wenn sie unterwegs E-Mails bearbeiten, ihre Firmennetze nutzen oder im Internet surfen könnten.

"Gewaltige Geschäftspotentiale" verspricht Kai-Uwe Ricke, ohne sie schon beziffern zu wollen. "Wir forcieren in jeder Hinsicht das Tempo." Der störungsfreie Betrieb im schnell fahrenden Zug sei technisch eine erheblich höhere Herausforderung, als man zu Beginn geahnt habe. In dem Testprojekt, dessen Entwicklung dem Konzern inzwischen mehrere Patentanmeldungen für innovative eigene Erfindungen beschert habe, kämen neben gebündelten UMTS-Mobilfunkkanälen auch Satellitenverbindungen zum Einsatz.

Wegen der komplizierten Fahrplanumläufe lassen sich Online-Bahnverbindungen nicht gezielt buchen.

ICEVorerst bleibt es also Glückssache, in einen der sieben Züge mit WLAN einzusteigen. Ihre Waggons sind mit T-Hotspot-Aufklebern gekennzeichnet. Die Nutzungspreise sollen später für Stammkunden im Schnitt bei zwei Euro pro Stunde liegen, auch eine künftige Flatrate oder ein besonderer Bahncardbonus erscheint, so Mehdorn, "nicht unmöglich". Für einzelne Stunden am Hotspot zahlen T-Online-Kunden jetzt noch stolze 9,60 Euro. Die ersten drei Pilotmonate im ICE sind für Bahnreisende mit tragbarem Computer kostenlos: Benutzername und Passwort sind auf der Startseite bis zum 20. März 2006 bereits eingetragen.

Gleichzeitig wird auf der ICE-Strecke von Köln nach München ein WLAN-Offlinebetrieb eröffnet. Hier gehen die Waggonnetze nur beim Halt an den Bahnhöfen kurz ins Internet, um aktuelle Nachrichten zu laden. Außerhalb dieser "Datentankstellen" fahren diese Züge auf freier Strecke vorerst weiter offline. Die normalen UMTS-Netze werden zwar immer weiter ausgebaut, sind aber nach wie vor nicht ausreichend für die unterbrechungsfreie Versorgung. Nach Auswertung der Testphase wollen Bahn und Telekom Mitte 2006 entscheiden, wie und in welchem Tempo das ICE-Netz künftig weiter datentauglich gemacht wird.

www.imice.de

 


21.12.2005 | Inhalt · Übersicht | < Home < | > Nächste Meldung > | Impressum | E-Mail