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unterwwwegs   Gekommen, um zu bleiben
Facelifting bei weg.de, TUI und Expedia

 

Unmittelbar vor dem Jahreswechsel haben drei Große der Branche ihre Internetauftritte frisch renoviert.

Kein echtes Reisebüro dient gern als Wärmestube für beratungsintensive Zauderer. Verkehrte Welt im Internet: Sind gekommen, um zu bleiben, heißt hier der aktuelle Top-Hit. So mausern sich Buchungsseiten zu üppigen Portalen, wo Verweilen fast wichtiger ist als Verkaufen. Freudig zählen Betreiber die Klicks im dreistelligen Millionenbereich. Und vermarkten solche Page Impressions als "multimediale Erlebniswelt" inzwischen erfolgreich für branchenfremde Werbekunden.

Den Startschuss zur aktuellen Renovierungsrunde gab Ende Oktober weg.de mit neuem Look und zusätzlichen Gratis-Download-Bonbons: Sprachführer, Länderknigge, spezialisierte Checklisten zur Urlaubsvorbereitung, ja sogar exklusiv zusammengestellte Musik-CDs. Der Newcomer aus München machte aus potentiellen Kunden datentransparente Mitglieder seines "Plus"-Clubs mit Gewinnspielen und Einsenden privater Urlaubsvideos.

Fleißig Daten sammeln auch "Mein Expedia", "my tui" und viele andere persönliche Log-in-Seiten. Weder Kosten noch Studien scheuen die Großen der Branche, um alles noch etwas neuer, netter, erlebnisreicher zu machen. Folgerichtig vereint das runderneuerte TUI-Angebot unter einem Dach Tochterfirmen wie Robinson, 1-2-fly und Wolters. Erklärtes Ziel ist es, das Wegklicken zur Konkurrenz zu verhindern und Urlaubswillige möglichst gar nicht mehr die World of TUI verlassen zu lassen. "Gibt es keine hundertprozentige Übereinstimmung mit dem Reisewunsch, so wird dem Kunden ein Alternativangebot präsentiert", erläutert Geschäftsführer Michael Ohm das Konzept. Obwohl an 5000 Usern getestet, bleibt der Service erstaunlich lückenhaft. Die Schulferientabelle mit veralteten Terminen ist genauso unübersichtlich wie bei weg.de, aktuelle Herbstferien fehlen. Spärliche Anreise-Infos ohne Links auf Airports oder Fahrpläne ersparen dann doch nicht den aktiven Klick heraus aus dem neuen Wirgefühl der Dachmarke. 

Tuisten sollen nun am Ende einen Buchstaben mehr tippen: "com" statt "tui.de" – was vorerst zum selben Ergebnis führt. Das gilt auch für die umgetaufte Konzerngruppenhomepage.

Bessere Übersicht strebt die deutsche Tochter des US-anerikanischen Online-Reiseportals Expedia an. Ihre geliftete Homepage ist das Ergebnis monatelanger "Usability-Tests" und qualitativer Studien. Buchbare Leistungen sind sinnvoller gruppiert als bisher, man spart einige Mausklicks beim Stöbern und freut sich im Reiseführer an Rundum-Panoramabildern. 

Etwas rätselhaft freilich das ebenfalls neue Stichwortverzeichnis: Zum Beispiel unterscheidet es "Hotels mit Flair" von "Hotels mit Charme", "Flairhotels" und "Charme Hotels", liefert aber immer dieselben Ergebnisse. Gar keinen Charme hat es, wenn sich vor das Suchergebnis sichtbehindernd die schrille Kreditaufnahme-Werbung einer Bank drängt.

weg.de
www.expedia.de
www.tui.com
www.tui-group.com


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