4spoerl.de

unterwwwegs       E X T R A - A U S G A B E // Der aktuelle Online-Ratgeber:

Richtig suchen und richtig buchen
statt richtig fluchen

 

Pauschalreisen sind out? Dem Last-Minute-Markt schlägt die letzte Stunde? Reisebüros braucht keiner mehr? Clever buchen: klick und hin und weg? Alles Quatsch. Denn Reisen bildet – erstmal Schwielen unten am Mausklickfinger sowie endlose Lesezeichenlisten oben im Computer. Dank Internet bereitet es inzwischen gar kein Problem, mit der Buchungsvorbereitung mehr Zeit zu verbringen als mit der eigentlichen Tour.

Entsprechend gilt es, sie als Teil der Urlaubsvorfreude bewusst inszeniert zu genießen. Ruhe ist angesagt!

Auf den Homepages der Billigflieger geht es zu wie auf der Kirmes. Mal ist Crazy Carnival, dann winken wieder Happy Hours oder die letzten Minuten eines "3 day sale" bis Mitternacht – eine muntere Mischung aus Casino, Schlussverkauf und Versteigerung. Der beste Preis ist schnell verpasst, der beste Termin noch schneller. Frühbucher werden mal belohnt, mal bestraft. Das richtige Timing erfordert einen hellwachen klaren Kopf bei voller Konzentration, ja klar doch: auch einen Schuss Spieltrieb. Nebenher laufende Fernseher, polyphone Handys, quengelnde Kinder und bellende Hunde haben ebenso wenig beim Buchen zu suchen wie übertriebener Geiz-Ehrgeiz. Etwas Lässigkeit kommt besser. Perfektionistische Schnäppchenjäger sind arm dran, denn die kleinen Preise klettern am Monitor schnell nach oben und weg sind sie. Manchmal kommen sie aus heiterem Himmel zurück und sinken für kurze Zeit sogar noch tiefer. Manchmal auch nicht. Im Web gibt es zwar fast alles, nur keine festen Tarife mehr. Um ihre Flieger möglichst voll auszulasten, üben sich Big Brothers bei den Airlines in lückenloser Marktbeobachtung. Sonderangebote gelten nur für kleine Kontingente und zur gezielten Steigerung der Nachfrage.

  An mehr oder weniger feste Abendzeiten für solche Extratickets haben zum Beispiel HLX (dienstags) und Germanwings (donnerstags) ihre Kundschaft gewöhnt. Es kann aber auch ganz unerwartet an einem Vormittag los gehen, bestenfalls ein paar Minuten früher per Newsletter-Mail angekündigt. Wer für seine Familie oder zu zweit trotzdem nur unerwartet teure Angebote findet, sollte ruhig mal die Gegenprobe machen: mit der Zahl 1 im Feld "Erwachsene". Mehrere Einzelbuchungen sind unter Umständen viel preiswerter. Das gilt manchmal auch für die Aufsplittung in völlig getrennte Hin- und Rückflüge, eventuell sogar mit verschiedenen Veranstaltern oder ein paar Buchungstage später. Alles sehr verwirrend und mühselig, mit eigenhändigen Mausklicks kaum zu leisten. Hinzu kommt, dass jeder Klick von aufmerksamen Realtime-Preisbrokern auf der anderen Seite der Datenleitung schon als steigendes Interesse für eine bestimmte Verbindung registriert wird und zur teureren Tickets bei der nächsten Anfrage führen kann.

Völlig unübersichtlich ist auch die Kalkulation von Nebenkosten. Oft werden sie erst im allerletzten Buchungsschritt am Monitor aufgeschlagen. Steuern, Service- oder Luftsicherheitsgebühren, Transfer, Surcharges und unverständliche Abkürzungen können sich bei Billigtickets auf ein Mehrfaches vom ursprünglichen Flugpreis addieren. Oder es schleicht sich unversehens eine Extra-Versicherung in die Abrechung, die man sogar abwählen kann.

Das macht vor allem bei Flugtickets schnelle spezialisierte Suchmaschinen attraktiv. Als Insidertipp gilt www.wegolo.de, wo schon bei der ersten Übersicht ausschließlich Endpreise auf dem Schirm stehen – im Vergleich aller für den deutschen Luftverkehr relevanten Billigflieger, auf Wunsch auch als komplette Regionalübersicht statt nur von Ort zu Ort, Gabelflüge inklusive. Solch zeit- und klicksparender Buchungskomfort kostet pro Strecke drei Euro. Nur über diese Vermittlungsgebühr wird freilich ein Vertrag mit einem niederländischen Ticketmakler geschlossen, so dass die juristische Konstruktion in Streitfällen etwas komplizierter sein kann als bei einer Direktbuchung.

Wem ist überhaupt zu trauen auf diesem anonymen Online-Marktplatz? Im Prinzip kann ja jeder eine Homepage ins Netz stellen und behaupten, seriös Reisen anzubieten. Gütesiegel von "Trusted Shops" oder TÜV bestätigen auch unbekannteren Firmen die Einhaltung vertrauenswürdiger Standards. Die Großen in der Branche haben sowieso inzwischen erkannt, dass Erfolg im Internet auf die Dauer nur mit zufriedenen Kunden, ergänzenden Hotlines und kompetenter Einzelberatung möglich ist. "Je größer die Fülle der Inhalte, desto schwerer wird für den Einzelnen die richtige Entscheidung. Der Beratungsbedarf ist höher als je zuvor", sagt Klaus Laepple, Präsident des Verbands Deutscher Reisebüro- und Reiseveranstalter. Laepple sieht den Internetboom als Chance, im wachsenden Angebotsdschungel die Rolle des Chef-Pfadfinders zu übernehmen: "Von Krise ist in den Reisebüros keine Rede. Die Kunden kommen besser vorinformiert zu uns, viele haben den Rechercheaufwand selbst erlebt. Sie wissen den Wert einer neutralen Fachberatung mehr denn je zu schätzen." Sind somit auch eher bereit, für kompetenten Rat einen Aufschlag zu bezahlen, was unterm Strich Zeit und Geld sparen kann.

Viele so genannte Reiseportale und Discounter haben nämlich eine feste Bindung an einzelne Veranstalter oder sind gar deren Tochterfirmen. Das schränkt vor allem bei Pauschalreisen Preis- und Leistungsvergleiche stark ein. Es ist sicher auch ein Grund dafür, dass Markttransparenz die einzige echte Mangelware der Online-Reisewirtschaft ist. Harte Zahlen fehlen, die Branche spiegelt sich bisher nur in Marktforschungen, Umfragen und Trendstudien. Die freilich könnten allesamt kaum optimistischer sein. Zwei Drittel der deutschen Internetnutzer informieren sich auf diesem Weg über Reisen, die Hälfte davon will 2005 mit der Maus buchen. Jede vierte Frau tut es, jeder fünfte Mann, macht geschätzte 6 bis 8 Milliarden Euro Umsatz.

In Tests schneiden die Anbieter von Hotels, Ferienhäusern, Mietwagen, Tickets und kompletten Reisepaketen derart unterschiedlich ab, dass sich daraus kaum allgemein gültige Ratschläge ableiten lassen. Der eine liefert fürs Mittelmeer die besten Treffer, andere punkten mit Skandinavien, Städtereisen, Last Minute oder Dynamic Packaging. Ganz vorne liegen oft Broker wie www.hrs.de (Hotels), www.e-domizil.de (Ferienhäuser) und die deutlich verbesserte Zugseite www.bahn.de – mit viel stabileren Preisen als im turbulenten Fluggeschäft. Qualität spiegelt sich durchaus im Erscheinungsbild einer Homepage. Lange Wartezeiten, übertriebene Werbung, Effekt heischende Animationen und Unübersichtlichkeit verdienen kein Mitleid: klick und weg damit, es gibt genug andere im www.

Die 9 wichtigsten Buchungs-Tipps auf einen Blick

 


27.04./22.11.2005 | Inhalt · Übersicht | < Home < | > Nächste Meldung > | Impressum | E-Mail